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Experiment

Schon Einjährige erkennen die Gedanken anderer

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Heute gibt es ein bißchen Entwicklungs-Philosophie. Ein Einjähriger entwickelt sich zunehmend zu einer kleinen Persönlichkeit und ist selbstverständlich das Vergleichsobjekt unter Müttern schlechthin (was ja eigentlich in jedem Lebensalter der Kinder so ist, aber mit zunehmendem Alter verwischen die Grenzen). Theoretisch verläuft die Entwicklung von Kindern stets gleich. Und obwohl wir schon soviel wissen, gibt es immer noch viele Fragezeichen, die verschiedene Wissenschaftler unbedingt in Ausrufezeichen verwandeln wollen mit einem Aha davor.

Zum Beispiel gibt es unterschiedliche Ergebnisse zur Frage, ab wann sich Kinder in die Gedanken und Gefühle anderer versetzen können. Bochumer Philosophen, haben sich dieses Problems angenommen und die vermeintlich unterschiedlichen Ergebnisse mit der Zwei-Komponenten-Theorie in der Zeitschrift Cognition erklärt und damit miteinander verbunden. Professor Dr. Albert Newen und Dr. Leon de Bruin vom Institut für Philosophie II der Bochumer Universität gehen dabei von folgendem aus: Die Tests wurden einmal sprachbasiert geführt und einmal ohne Sprache handlungsbasiert. Sie führen die Ergebnisse zusammen, in dem sie dabei die Entwicklung des Kindes berücksichtigen.

Der Leser versteht kein Wort? Kein Problem, ich versuche das mal mit meinen Worten zu erklären. Sally und Anne sind zwei süße Mini-Mädchen und die Hauptakteure des Tests der Bochumer Philosophen. Sally legt einen Ball in einen Korb und geht weg. Anne nimmt den Ball aus dem Korb und legt ihn in eine Schachtel. Und nun zur Preisfrage: Wo wird Sally den Ball suchen, wenn sie zurück kommt. Ganz klar, wir wissen, dass Sally den Ball im Korb suchen wird. Und mit Sicherheit wissen dies übrigens auch Vierjährige. Doch bisher ging man davon aus, dass jüngere Kinder das nicht wissen, weil sie bei den sprachbasierten Tests die Schachtel als Sallys Suchort angaben, was eben falsch ist.

Bei den Tests von Newen und de Bruin wurde nun bei Einjährigen gemessen, wie lange sie die Suchorte anschauten, wenn Sally nach dem Ball suchte. Dabei kam heraus, dass die beobachtenden Babys den Korb länger ansahen. Das führt nun zu der Annahme, dass bereits Einjährige durch Beobachten und Tun sich in andere hineinversetzen können. Sie nehmen deren Blickrichtung ein. Die Entwicklungsmodule, die Babys und Kleinkinder bis zum vierten Lebensjahr durchlaufen sind folgende: handlungsbasierte Assoziationen, wahrnehmungsbasierte Assioziationen und als letztes erst symbolbasierte Assoziationen, welche eng mit dem Spracherwerb zusammenhängen. Und erst mit Abschluss des letzten Moduls können Kinder sprachbasierte Tests bestehen. Berücksichtigt man diese Erkenntnisse, kommt man also zu dem Ergebnis, dass Babys bereits viel mehr können als bisher angenommen wie eben sich in andere hineinversetzen können. Es ist lediglich Aufgabe der Wissenschaft, das Babyverhalten in unser Erwachsenenverständnis zu übersetzen.

Foto und Informationsquelle von idw-online

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